Gemeinsam mit der Evangelischen Akademie Bad Boll startete die Deutsche Olympische Akademie am 6. November eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel "Akademiegespräch Kirche und Sport". Diese Initiative leitet sich ab aus einem entsprechenden Arbeitskreis des Deutschen Olympischen Sportbundes und den beiden großen Kirchen in Deutschland und deren Vereinbarung einer intensivierten Zusammenarbeit.
So sollen im Rahmen der genannten Veranstaltungsreihe in Zukunft relevante Fragen des Sports, seiner Werte und gesellschaftlichen Möglichkeiten aus unterschiedlichen Perspektiven und in fruchtbringendem Dialog behandelt und entsprechende Handlungsspielräume ausgelotet werden.Aus gutem Grund und gegebenem Anlass erfolgte die Premiere auf Einladung der bayerischen Landeshauptstadt in ihrer guten Stube, dem Großen Sitzungssaal, wo sich exponierte Referenten und Gesprächspartner unter dem Titel "Vision Olympia: Eine Idee auf dem Prüfstand" eingefunden hatten.
Zunächst standen drei Kurzvorträgen zur "gesellschaftlichen Bedeutung der olympischen Werte" auf dem Programm: Werner Rabe, der Sportchef des Bayrischen Rundfunks sprach in Vertretung seines kurzfristig verhinderten Intendanten Thomas Gruber über die Rolle der Medien, deren Verantwortung in der Berichterstattung im Blick auf die eigenen journalistischen Werte am Beispiel der Dopingproblematik und der Menschenrechtsfrage und im Spannungsfeld von öffentlichem Interesse und Persönlichkeitsrechten der Athleten.
Prof. Dr. Peter Steinacker, langjähriger - und sportaffiner - Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche in Hessen und Nassau, verwies dagegen auf die Gemeinsamkeiten im Wertekanon von Sport und Kirche und die gemeinsame Verantwortung für die
Erziehung junger Menschen, bei denen Kirche wie Sport etwa Respekt, Freiheit und Fairness zu grundlegenden Maximen erhebt
und auch weiterhin erheben muss.
Demgegenüber berichte Klaus Wolfermann, bei den Münchner Spielen von 1972 Olympiasieger im Speerwurf, sehr eindringlich von seinen eigenen Erfahrungen als erfolgreicher Athlet, der die olympischen Werte stets als persönliche Herausforderung verstanden, dabei aber auch die Diskrepanz von Anspruch und Wirklichkeit erfahren hat. Mit einem entsprechenden Bekenntnis leitete Wolfermann, seines Zeichens auch einer von mehr als sechzig "Botschaftern" der Münchner Bewerbung um die Ausrichtung der Winterspiele 2018, zur anschließenden Podiumsdiskussion über Chancen sowie Aufwand und Nutzen des erneuten Anlaufs der olympiaerprobten Metropole.
Unter der fachkundigen und professionellen Moderation von Corinna Halke-Teichmann, langjährige Reedakteurin des Bayerischen Rundfunks und vormals erfolgreiche Eiskunstläuferin und zweifache Olympiateilnehmerin, erläutere etwa der Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft Bernhard Schwank die Vorzüge der aktuellen Bewerbung, während Alt-Oberbürgermeister Jochen Vogel auf die ihm eigene Weise dringend dazu riet, die Erfahrungen mit der Bewerbung um die Sommerspiele von 1972 nicht außer Acht zu lassen.
Olympiasieger und Wirtschaftsexperte Prof. Dr. Wolfgang Maennig relativierte die Nachfragen bezüglich der Kosten mit dem Hinweis auf die Größenordnung von Investitionen in anderen Bereichen, etwa in Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise sowie im Blick auf die Möglichkeiten der Refinanzierung und den Mehrwert des notwendigen Engagements. Während er dabei von Münchens (Sport-)Bürgermeisterin Christine Strobel, nach Kräften unterstützt wurde, brachte der langjährige Sportchef der Süddeutschen Zeitung, Michael Gernandt, seine Bedenken im Hinblick auf möglicherweise zunehmende Proteste aufgrund ökologischer Bedenken zum Ausdruck.
Zuversichtlich zeigte sich dagegen Georg Hackl. Der als weltweit erfolgreichster Rennrodler wahrlich versierte Wintersportler wies auf die Vorzüge der Münchner Bewerbung aus der Sicht der Athleten sowie auf die Schubwirkung einer (erfolgreichen) Bewerbung für den gesamten deutschen Sport hin.
Im Rahmen einer ersten Auswertung der erkenntnisreichen Veranstaltung wurde von den Verantwortlichen einhellig beschlossen, sowohl das Thema "München 2018" als auch die spezielle Partnerschaft von "Kirche und Sport" weiterzuverfolgen.
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