„Ich empfehle die Session allen, ...“
Im Interview spricht Jonathan Ellies über seine Zeit bei der 66. YOA-Session in Griechenland
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| Jonathan Ellies auf dem IOA-Campus. © IOA |
Zwei Wochen lang tauschte sich Jonathan Ellies mit jungen Menschen aus aller Welt über die Zukunft der Olympischen Bewegung aus. Der 25-Jährige, der an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Master Internationales Sportmanagement studiert, vertrat Deutschland bei der 66. Session für Young Olympic Ambassadors (YOA) in Olympia. Hier setzte er sich intensiv mit Themen wie Sportintegrität, Wettkampfmanipulation und den Youth Olympic Games auseinander. Im Interview mit Kyra Graf blickt er zurück.
Hallo Jonathan, zunächst einmal: Was waren deine Beweggründe, dich für die Young Olympic Ambassadors Session der Internationalen Olympischen Akademie zu bewerben?
Das erste Mal von der YOA-Session habe ich in meinem Masterstudium gehört. Da ich mir zunächst wenig darunter vorstellen konnte, habe ich mit einigen ehemaligen Teilnehmern über die Session gesprochen und konnte mich sehr schnell dafür begeistern. Besonders der interkulturelle Austausch und das Interesse an der Olympische Bewegung haben schließlich die Entscheidung für eine Bewerbung einfach gemacht.
Nach deiner Zusage ging es schließlich nach Olympia, den Geburtsort der Olympischen Spiele. Mit welchen Erwartungen bist du nach Griechenland gereist und wurden diese erfüllt?
Durch die vielen Gespräche mit ehemaligen Teilnehmern und den Vorbereitungsmeetings mit der Deutschen Olympischen Akademie hat sich meine Vorfreude weiter gesteigert. Für mich stand während meiner Zeit in Olympia der interkulturelle Austausch und die damit verbundenen vielfältigen Perspektiven auf aktuelle Probleme des nationalen und internationalen Sports im Vordergrund. Außerdem habe ich mir durch die akademischen Vorträge ein breiteres und vertieftes Wissen erhofft. Die Erwartungen haben sich im Verlauf der Zeit in Olympia erfüllt und ich bin froh, ein Teil der diesjährigen Session gewesen zu sein.
Das Motto lautete „Championing Inclusion, Integrity and Responsibility: Building a Safe and Fair Future for Every Athlete“. Welche Bedeutung hatte dieses Thema für die Session und welche Inhalte haben dich besonders beschäftigt?
Die Vormittage unserer Session waren geprägt durch akademische Vorträge zu vielen konkreten Themen in den Bereichen Inklusion, Integrität und Verantwortung. Vorgetragen von Dozenten aus der ganzen Welt, zeigten die Inhalte aktuelle Probleme im Sport auf. Wir konnten diese dann in kleinen Arbeitsgruppen mit Vertretern aus allen Kontinenten vertieft diskutieren und anschließend Lösungsvorschläge für zentrale Probleme im Sport erkennen und ausarbeiten. Besonders haben mich dabei Themen zur Integrität beschäftigt, da ich viele der Probleme bereits in meinem Studium aufarbeiten konnte.
Ein Schwerpunkt waren die eben genannten Diskussionen rund um Integrität im Sport und Match Manipulation. Welche Erkenntnisse hast du aus diesen Gesprächen mitgenommen?
Das Thema Integrität im Sport begleitet mich, wie eben bereits angesprochen, schon etwas länger. Im Studium habe ich mich mit diesem Thema verstärkt beschäftigt. Besonders spannend war deshalb zu sehen, wie unterschiedlich Match Manipulation in den verschiedenen Ländern wahrgenommen und behandelt wird. Während einige Nationen bereits über umfangreiche Präventionsmaßnahmen und Meldewege verfügen, stehen andere Länder noch vor großen Herausforderungen. Mir wurde dabei bewusst, dass Integrität nicht allein durch Regeln entsteht, sondern vor allem durch Aufklärung und Sensibilisierung. Häufig bestehen zwar Regelwerke, diese werden aber nicht konsequent und zielführend umgesetzt.
Auch über die Zukunft der Youth Olympic Games wurde intensiv diskutiert. Welche Ideen oder Standpunkte sind dir dabei besonders in Erinnerung geblieben?
Ich fand besonders spannend, dass wir als international besetzte Gruppe nicht primär darüber diskutiert haben, ob die Youth Olympic Games eine Zukunft haben, sondern wie diese Zukunft aussehen sollte. Viele Ideen drehten sich darum, den Bildungscharakter der Spiele weiter zu stärken und den internationalen Austausch zwischen den Athletinnen und Athleten noch stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Allerdings muss die sportliche Leistung weiterhin die wichtigste Komponente bleiben. Aus meiner Sicht können die Youth Olympic Games genau dadurch einen besonderen Mehrwert gegenüber anderen internationalen Sportveranstaltungen bieten.
Ein besonderer Bestandteil der Young Olympic Ambassadors Session ist der internationale Austausch. Wie hast du die Gespräche mit den Teilnehmenden aus den unterschiedlichen Ländern erlebt?
Bereits in meinem Studium hat es mir viel Freude bereitet, mit internationalen Menschen ins Gespräch zu kommen und verschiedene Perspektiven zu erfahren, um daraus Rückschlüsse auf die eigenen Positionen zu ziehen. Die YOA-Session bot die ideale Plattform, sich mit jungen Menschen aus aller Welt zu vernetzen und sich über Unterschiede und Gemeinsamkeiten auszutauschen. Besonders spannend fand ich dabei die Motivationen, die hinter bestimmten Handlungen und Initiativen der Teilnehmer stecken.
Neben dem fachlichen Programm gab es auch zahlreiche kulturelle Aktivitäten und Besuche historischer Stätten. Wenn du auf die zwei Wochen in Griechenland zurückblickst: Was waren deine Highlights?
Es fällt mir nicht leicht einzelne Erlebnisse hervorzuheben, da die Zeit in sich geschlossen und als Ganzes eine sehr gelungene Erfahrung war. Spontan fallen mir zwei Highlights ein, die dennoch etwas herausstechen. Nach der offiziellen Eröffnungsfeier der Session kamen zum ersten Mal alle Teilnehmer zum gemeinsamen Abendessen zusammen. Es war unglaublich, wie schnell und einfach sich die verschiedenen Kulturen zusammenfinden konnten und für einen besonderen Abend gesorgt haben. Das hat mir gezeigt, wie wenig nötig ist, um verschiedene Kulturen friedlich zusammenzubringen.
Als zweites Highlight stechen definitiv die Social Evenings heraus, in denen die Länder die Möglichkeit bekommen haben, sich zu präsentieren. Die Vielfalt an Tänzen, Traditionen, Kulturen und Sichtweisen hat mich dabei nachhaltig am stärksten beeindruckt. Auch wir haben Deutschland vorgestellt und versucht, die gängigen Stereotypen gegenüber Deutschen auf lustige Weise anzusprechen und abzubauen.
Was nimmst du persönlich aus dieser Zeit mit zurück nach Deutschland?
Für mich persönlich hat mein Aufenthalt in Griechenland bestätigt, dass ich in Zukunft weiterhin im olympischen Kosmos arbeiten möchte und den internationalen Charakter von Sport als etwas sehr wertvolles und besonderes schätze. Außerdem nehme ich ein gefülltes Telefonbuch mit Kontakten aus aller Welt mit nach Hause, das mir in Zukunft – egal ob privat oder beruflich – weiterhelfen wird.
Zurück in Deutschland kann ich mich nun auf meine geplanten Initiativen konzentrieren, die ich gerne in der nächsten Zeit umsetzten möchte. Dazu zählt beispielsweise die Ausarbeitung von Handlungsempfehlungen für Sportgroßveranstaltungen. Ich möchte mich intensiver mit der Thematik beschäftigen, wie Inklusion noch stärker in ihre Planung und Durchführung integriert werden kann. Außerdem plane ich einen hybriden Vortrag, in dem ich die zentralen Erkenntnisse aus Olympia mit Studierenden teile und die Bedeutung von Inklusion und Integrität im olympischen Veranstaltungsmanagement aufzeige.
Ich bin davon überzeugt, dass mich diese zwei Wochen in Olympia geprägt haben – umgeben von Gleichgesinnten aus aller Welt. Ich konnte meine Perspektiven und Standpunkte zu Themen im Sport, der Kultur und einem gemeinsamen Miteinander erweitern und werde sie zurück in Deutschland sinnvoll an andere Menschen weitergeben.
Zum Abschluss: Wem würdest du die YOA-Session empfehlen und warum?
Die IOA verlangt für die Teilnahme ein Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Ich würde die Session allen empfehlen, die sich für Sport, die olympische Bewegung und den internationalen Austausch begeistern. Der Ort ist sehr besonders und die durchgehend positiven Erlebnisse und Freundschaften bleiben auch weit über die Zeit hinaus bestehen. Gleichzeitig bietet die Session die Möglichkeit, den eigenen Horizont zu erweitern, neue Perspektiven kennenzulernen und sich fachlich wie persönlich weiterzuentwickeln. Für mich war diese Erfahrung in jeder Hinsicht eine Bereicherung und ich bin sehr dankbar dafür, dabei gewesen zu sein.
Vielen Dank für das Gespräch.


