Den Glauben an das Gute stärken
Fair Play Preisträgerin Tabea Frohn sorgte bei der Verleihung in Wiesbaden für Gänsehautmomente
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| Tabea Frohn in Wiesbaden. © DOSB/pa/Arnold |
Als Tabea Frohn ihre Rührung in Worte fasste, wurde es still in der Rotunde des Biebricher Schlosses. Mit Tränen in den Augen bedankte sich die Triathletin vom SC 53 Landshut in bewegenden Worten dafür, dass sie den Fair Play Preis des Deutschen Sports in der Kategorie „Sport“ entgegennehmen durfte. Schon Tage vor der Verleihung war die 26-Jährige „super aufgeregt“, hatte in ihrem Kopf hin- und herbewegt, „was ich sagen will, wen ich treffen werde und wie das alles wohl werden wird.“
Erst beim Start der Wiederbelebung erkannte sie ihre Freundin
„Ich bin eine Person aus einem kleinen Dorf, für mich ist so eine Auszeichnung neu und ungewohnt“, sagte sie im Vorgespräch mit dem DOSB. Und dann trat die passionierte Triathletin, die aus Bayern stammt und vor rund zwei Monaten aus beruflichen Gründen von Landshut nach Heidelberg umgezogen war, so selbstsicher und überzeugend auf, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Insbesondere ihr Appell für mehr Mut und Einsatz im Umgang mit Notfällen beeindruckte. „Wenn jemand Hilfe benötigt, geht es nicht darum, dass man alles richtig machen muss. Der einzige Fehler wäre, gar nichts zu tun“, sagte sie.
Natürlich könnte man einwenden, dass es der ausgebildeten Kinderkrankenschwester, die in der Heidelberger Universitätsklinik auf der Intensivstation arbeitet, leichter gefallen sei als „normalen“ Menschen an jenem 22. Juni 2025, für den sie ausgezeichnet wurde. Auf ihrem ersten Mitteldistanz-Rennen in Landshut hatte sie eine Person reglos in einem Graben liegen sehen. „Viele sind einfach vorbeigelaufen. Für mich gab es keine Sekunde Zweifel, dass ich helfen musste. An meinen Wettkampf habe ich gar nicht mehr gedacht, der war mir in dem Moment vollkommen egal“, erinnert sich Frohn.
Dass die Person eine Vereinskollegin war, mit der Frohn gut befreundet ist, wurde ihr erst klar, als sie bei ihr angekommen war und mit der Wiederbelebung begann. „Ich hatte gar keine Zeit, darüber nachzudenken, ich musste schnell handeln.“ Nachdem der Rettungswagen ihre Freundin abtransportiert hatte, entschied sich die Hobbyathletin zur Fortsetzung des Rennens. „Ich habe mir gedacht, ich bringe es für uns beide zu Ende, weil ich weiß, wie sehr sie für den Triathlon brennt. Freude hat es nicht gemacht, aber ich brauchte es, um runterzukommen.“ Nach dem Zieleinlauf fuhr sie per Fahrrad in die Klinik, um dort zu erfahren, dass die Freundin einen Hinterwandinfarkt erlitten hatte, aber stabilisiert werden konnte. „Mittlerweile hat sie sich gut erholt und darf wieder Sport treiben!“
Tabea Frohn würde „immer wieder so handeln”
Fast ein Jahr nach dem Vorfall schaut Tabea Frohn mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und Stolz auf ihre Auszeichnung. „Als ich hörte, dass ich einen Preis bekommen soll, war das für mich erst einmal total unwirklich, weil mein Handeln für mich eine Selbstverständlichkeit war. Aber jetzt freue ich mich riesig und hoffe, dass die Auszeichnung dazu beitragen kann, mehr Menschen einen Anstoß zu geben, in Notsituationen einzugreifen oder einen Erste-Hilfe-Kurs zu machen, um sich besser vorbereitet zu fühlen.“
Ihre Laudatorin, die im vergangenen Jahr zurückgetretene Team D-Triathletin Marlene Gomez-Göggel, sagte in ihrer Rede, die vielen die Tränen in die Augen trieb: „Für Tabea war etwas selbstverständlich, was leider nicht mehr selbstverständlich ist: Den eigenen Erfolg hinter den Einsatz für andere zu stellen.“ Tabea Frohn selbst glaubt im Übrigen nicht, dass ihre eigene Expertise entscheidend war, um damals einzugreifen. „Ich bin zum Glück so erzogen worden, Menschen zu helfen, die Hilfe brauchen“, sagte sie mit Blick auf ihre Familie, die in Wiesbaden den besonderen Moment mit ihr gemeinsam erleben konnten.
Wie wenig selbstverständlich dieses Handeln heute ist, bekam sie im Winter eindrücklich vor Augen geführt. Bei einem Laufevent im Münchner Olympiapark kollabierte auf der Hälfte der 15-Kilometer-Distanz ein Mann neben ihr. 20 Minuten reanimierte Tabea Frohn den Unbekannten, ehe er von Rettungskräften übernommen und abtransportiert werden konnte. „Leider weiß ich nicht, was aus ihm geworden ist. Man sagte mir, dass seine Familie meine Daten bekommen hat, aber es hat sich nie jemand gemeldet.“ Ihrer Hilfsbereitschaft tut derlei mangelnde Wertschätzung aber keinen Abbruch. „Ich würde immer wieder so handeln. Und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich heute hier stehen und diesen Preis entgegennehmen kann.“
Anna-Maria Wagner vertritt Julian Köster
Nicht persönlich in Empfang nehmen konnte Julian Köster seine Auszeichnung. Der Handballer des VfL Gummersbach, der nach der Saison zum THW Kiel wechselt, wurde für sein Engagement als Botschafter für Special Olympics Deutschland mit dem „Sonderpreis“ geehrt.
Die Laudatio hielten Astrid Schulte, Geschäftsführerin Special Olympics Hessen, und Special Olympics-Tennisspieler Thomas Wendt, der mit dem Rückraumspieler befreundet ist. An Kösters Stelle nahm Anna-Maria Wagner, die sich ebenfalls für Special Olympics Deutschland engagiert und bei den bevorstehenden Nationalen Spielen im Saarland im Einsatz ist, den Preis entgegen. Eine naheliegende Lösung – denn die Fahnenträgerin der Olympischen Spiele Paris 2024 war sowieso vor Ort und wirkte am ersten Programmpunkt des Abends mit: dem von Sven Voss moderierten Biebricher Schlossgespräch zum Thema „Fair Play oder Fiktion? Der Kampf um den sauberen Sport“.
Um aus dem Feld der Vorschläge weitere großartige Projekte zu ehren, sprach die achtköpfige Jury drei Belobigungen aus, die in der Rotunde des Barockschlosses geehrt wurden: die Bananenflankenliga, ein innovatives Fußballprojekt, das speziell für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung entwickelt wurde; das Fußballteam der SV Eintracht Camburg, das durch eine gemeinsame Wertepyramide nicht nur sportlich, sondern auch persönlich wächst; und der Tanzsport-Club 71 Egelsbach für sein innovatives und langfristiges Engagement im Bereich des Kinder- und Jugendschutzes.
Alle Hintergrundinformationen zum Fair Play Preis des Deutschen Sports finden sich auf der Website des DOSB, alle Details zum Biebricher Schlossgespräch auf der Website der DOA und auf Instagram.
Quelle: DOSB / DOA


